
1509 veröffentlichte der Franziskanermönch Luca Pacioli ein Buch über die „göttliche Proportion“, das Verhältnis 1 zu 1,618. Illustriert hat es ein Freund aus Mailand: Leonardo da Vinci. Seitdem taucht die Zahl überall auf, wo jemand Schönheit erklären will.
In den 1990ern legte der kalifornische Kieferchirurg Stephen Marquardt eine Schablone aus lauter goldenen Verhältnissen über Gesichter und behauptete, wer nah dran liege, gelte als attraktiv. Die Forschung ist da bis heute uneins. Was wir im Gesicht als „natürlich“ empfinden, ist zu einem großen Teil Mathematik.
Menschen finden Gesichter ansprechend, die dem Durchschnitt ihrer Umgebung nahekommen und symmetrisch sind. Für die ästhetische Medizin ist das entscheidend. Ihr Ziel ist nicht das perfekte Gesicht. Ihr Ziel ist ein Gesicht, das niemandem auffällt.
Die Stirn ist ein Drittel
Die klassische Regel stammt aus der Renaissance-Zeichenlehre: Das Gesicht teilt sich in drei etwa gleich hohe Etagen. Haaransatz bis Augenbrauenmitte, Augenbrauenmitte bis Nasenbasis, Nasenbasis bis Kinnspitze.
Bei der Planung einer Haarlinie ist dieses obere Drittel die ganze Baustelle. Der mittlere Punkt des Ansatzes wird üblicherweise rund sieben bis zehn Zentimeter über der Glabella angesetzt, also über der kleinen Erhebung zwischen den Augenbrauen. Dazu kommen die beiden frontotemporalen Punkte an den Seiten, und mit ihnen die Frage, wie viel Geheimratsecke stehen bleiben darf.
Dies hat wichtige Konsequenzen. Wer mit 24 Jahren seinen Haaransatz auf den Stand von 2011 zurückverlegt, wird mit 40 unnatürlich wirken. Eine fundierte Planung berücksichtigt daher das Ergebnis nicht nur für das kommende Jahr, sondern für die nächsten zwanzig Jahre.
Warum perfekte Reihen falsch aussehen
Echte Haarlinien sind ausgefranst, mit kleinen Vorsprüngen, Lücken und Zickzack-Kanten. Diese Unregelmäßigkeit muss also bewusst hergestellt werden.
Dazu kommen drei Größen, die jeder einzelne Kanal richtig treffen muss: Winkel, Richtung und Tiefe. Kopfhaar tritt vorn in einem sehr flachen Winkel aus, oft zwischen 15 und 25 Grad, und legt sich dadurch an. Steht es zu steil, wirkt es wie eine Bürste, und keine Frisur der Welt rettet das.
Die gängigen Verfahren unterscheiden sich vor allem darin, wie präzise sich diese Werte kontrollieren lassen. Bei der Saphir-FUE werden die Kanäle mit Klingen aus Saphir statt Stahl geöffnet, die Schnitte fallen schmaler aus. Bei der DHI-Methode setzt ein Implanter-Stift den Follikel direkt, ohne vorher geöffneten Kanal, Winkel und Tiefe entstehen in einem Arbeitsgang. Zusatzbehandlungen mit Eigenblut, Wachstumsfaktoren oder stammzellbasierten Präparaten sollen das Anwachsen unterstützen. Die Studienlage dazu ist vorhanden, aber deutlich dünner als das Marketing vermuten lässt, und keine dieser Spritzen korrigiert eine schlecht gezeichnete Linie.
Der Fall aus Istanbul
Ein gutes Anschauungsobjekt ist die Klinik von Dr. Serkan Aygın in Şişli, Istanbul. Wer nach Haartransplantation Türkei sucht, findet diese Klinik überall. Vor dem Eingriff steht dort eine 3D-Haaranalyse, danach die angezeichnete Linie auf der Stirn, die der Patient im Spiegel begutachtet, bevor irgendein Rasierer angeworfen wird.
2019 erhielt Aygın in Paris den European Award in Medicine für Haartransplantationschirurgie, im selben Jahr zeichnete die Reisebeilage der spanischen Tageszeitung La Razón die Klinik als beste medizintouristische Einrichtung aus. Die Klinik führt außerdem eine JCI-Akkreditierung, eine ISO-9001-Zertifizierung und die Lizenz des türkischen Gesundheitsministeriums.
Şişli, ist heute die Viertel hinter dem Begriff Haartransplantation Istanbul, mit Kliniken, Hotels und Dolmetschern auf wenigen Straßenzügen. Wo viel operiert wird, entsteht Routine, und Routine ist bei einem Eingriff, der aus mehreren tausend Einzelbewegungen besteht, kein schlechtes Argument.
Dieselbe Mathematik, anderes Körperteil
Direkt neben der Haarklinik liegt Doku Clinic, das 2017 gegründete Schwesterzentrum für ästhetische Medizin und plastische Chirurgie. In der Brustchirurgie planen Operateure entlang eines gedachten Dreiecks zwischen Drosselgrube und beiden Brustwarzen, das idealerweise annähernd gleichseitig ist.
Die Strecke von der Drosselgrube zur Mamille liegt bei den meisten Frauen zwischen 19 und 21 Zentimetern, der Abstand von der Brustwarze zur Unterbrustfalte im gedehnten Zustand bei etwa 5 bis 7 Zentimetern. Die Breite des Brustkorbs entscheidet mit, welche Implantatbreite überhaupt in Frage kommt. Wer eine Brust OP Türkei erwägt, kann also dieselbe Frage stellen: Wer misst hier eigentlich, und darf ich die Zahlen sehen?
Der Mensch als Maßeinheit
Vitruv, römischer Architekt im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, beschrieb den menschlichen Körper als Kanon: Der Kopf misst ein Achtel der Gesamthöhe, die Spannweite der Arme entspricht der Körperlänge, das Gesicht teilt sich in jene drei Etagen, von denen weiter oben die Rede war. Leonardo zeichnete das um 1490 nach.
Anatomische Kanons sind Mittelwerte von Bevölkerungen. Sie sagen nicht, wie ein Körper sein soll, sondern wo er im Vergleich zu vielen anderen liegt. Und sie sind nicht stabil. Beim Neugeborenen macht der Schädel etwa ein Viertel der Körperlänge aus, beim Erwachsenen ein Achtel.
Der praktische Wert der Proportionslehre liegt darin, dass sie Geschmack in eine Zahl übersetzt, die sich aufschreiben, nachprüfen und bestreiten lässt, bevor irgendetwas irreversibel wird. Pacioli nannte das Verhältnis göttlich. Die Anwendung im Behandlungszimmer ist bescheidener und brauchbarer: Sieben bis zehn Zentimeter über der Glabella, 15 bis 25 Grad Austrittswinkel, 19 bis 21 Zentimeter zur Mamille. Zahlen, über die man streiten kann. Ein Ideal, dem der Körper zu folgen hätte, ist die Proportion nicht.

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