Die Geschichte des Glücksspiels in Deutschland

Geschichte des Glücksspiels in Deutschland

Die meisten Menschen haben schon einmal selbst ihr Glück herausgefordert. Sie haben schon einmal Lotto gespielt, beim Roulette auf Rot gesetzt, am Spielautomaten ein paar Runden gedrückt oder auf den Lieblingsverein gewettet. Doch wie lange gibt es Casinos schon? Wie hat sich das Glücksspiel entwickelt und seit wann wird in Europa um Geld gespielt?

Dieser Text widmet wird sich diesen Fragen und taucht dafür tief in die lange Geschichte des Glücksspiels ein, vor allem in Deutschland. Außerdem geben wir am Schluss einen Ausblick in die Zukunft. Doch bevor wir beginnen, sollte eine Sache klar sein: Man kann die Geschichte des Glücksspiels in Deutschland nicht erzählen, ohne die Geschichte des Glücksspiels im Allgemeinen zu erzählen1.

Die Anfänge des Glücksspiels

Wer einen genaueren Blick auf die Geschichte des Glücksspiels wirft, merkt sofort, dass das Spielen eine der universelle Verhaltensweise ist, die man in allen Kulturgruppen der Welt beobachten kann. Als Vergleich: Das Rad war hingegen erst im 16. Jahrhundert weltweit im Einsatz. Zuvor gab es diese Art der Fortbewegung in Nord- und Südamerika nicht. 

Ein Fun Fact: Neben Glücksspiel gelten auch Kunst, Tattoos und Musik als universelle Verhaltensweisen, die man auf allen Kontinenten schon in der Steinzeit finden konnte. Warum wir uns genau zu diesen Dingen hingezogen fühlen, ist nicht genau erforscht. Klar ist, dass uns etwas im Gehirn einfach zu diesen Praktiken zieht.

Doch wo und wann findet man in der Geschichte die ersten Hinweise auf Glücksspiel? Forscher sind sich einig, dass Glücksspiele 3000 Jahre vor Christus schon existieren. Die ersten Spiele wurden vermutlich in Mesopotamien und China entwickelt. Dieser Zeitraum wurde vor allem wegen einem bestimmten Fund festgesetzt: Dem Würfel. Die ältesten mehrseitigen Würfel, die Forscher fanden, dass Würfel aus dieser Zeit stammen und vermutlich zum Zeitvertreib genutzt wurden. Die ersten modernen sechsseitigen Würfel wurden in Ägypten gefunden und datieren auf 2000 vor Christus zurück. 

Die ersten legalen Spielhäuser und das „erste” Spiel

Nach diesen frühen Entwicklungen wurde es ruhig in der noch jungen Glücksspielbranche. Die nächste große Entwicklung fand um 200 vor Christus in China statt, wo die ersten legalen Spielhäuser eröffneten2. Gouverneure mehrerer Provinzen erlaubten das Glücksspiel, um dadurch Steuereinnahmen zu generieren. Kommt einem bekannt vor? Schon vor mehr als 2.000 Jahren haben Unterstützer einer Legalisierung das Steuer-Argument vorgebracht. Außerdem hat diese Entwicklung in der Welt des Glücksspiels auch dazu geführt, dass wir heute wissen, was in den Spielhäusern gespielt wurde: Keno, das erste überlieferte Spiel der Geschichte.

Keno, auch „Weiße Taube“ genannt, ist ein Spiel, das auf einem chinesischen Gedicht basiert, welches Kindern zählen beibringen sollte. Für Keno wurden 120 Charaktere aus dem Gedicht ausgewählt und in acht Kategorien unterteilt, der Spieler musste dann erraten, woraus eine der Kategorien besteht. Keno wird heute noch gespielt, jedoch wurden die Charaktere von 120 auf 80 reduziert. Es wird ebenfalls angenommen, dass das Kartenspiel in China um das 9. Jahrhundert herum erfunden wurde. Diese Karten haben jedoch wenig Ähnlichkeit zu den modernen Karten. Allerdings lässt sich daran erkennen, wie die zeitgleiche Entwicklung von festeren Papierfasern die Entwicklung der Karten begünstigte.

Römer, Germanen und Würfel

Auch die Römer waren schon früh leidenschaftliche Würfelspieler, obwohl diese Spiele außerhalb der Saturnalien, einem Fest zu Ehren Saturns, das Ende Dezember gefeiert wurde, verboten waren. Aus Rom kommen die ersten überlieferten Berichte über die Einschränkung von Glücksspiel. Dabei waren die Strafen oftmals strikt. So wurde beispielsweise das Haus, in dem gespielt wurde, beschlagnahmt.

Selbst unter den Kaisern gab es begeisterte Spieler. Es ist überliefert, dass Kaiser Claudius ein Buch über den Backgammon-Vorläufer Duodecim Scripta verfasst hat. Doch wir erfahren noch mehr durch die Römer. Tacitus schrieb die ersten Berichte über die Geschichte des Glücksspiels in Germanien und damit Teilen des heutigen Deutschlands. Er berichtete, dass die Germanen eine Würfelleidenschaft haben und im nüchternen Zustand um Haus und Hof, sogar um die eigene Freiheit, spielten.

Zusammengefasst bedeutet das: Der Würfel war ein Katalysator für das Glücksspiel. Je schneller der technologische Fortschritt in den darauffolgenden Jahrzehnten voranschritt, desto schneller entwickelte sich auch das Glücksspiel weiter.

Das Mittelalter und die Kirche

Nach dem Fall Roms und mit Beginn des Mittelalters wurden vor allem von kirchlicher Seite Versuche unternommen, das Glücksspiel zu verbieten. Glücksspiel bewegte sich damals in einer Grauzone. Glücksspiel-Geschäfte galten nach altem deutschem Recht als unerlaubter Handel. Aus diesem Grund konnten Verluste zurückgefordert, sogar eingeklagt werden.

Außerdem wurde im 12. Jahrhundert in England ein Erlass unterzeichnet, der Würfeln für alle verbot, der von niedrigerem Stand als ein Ritter waren. In diesem Erlass findet sich erstmals die Verbindung zwischen Glücksspiel und Luxus beziehungsweise einem höheren Stand innerhalb der Gesellschaft.

Diese Koppelung an den sozialen Stand einer Person hatte einen unerwarteten Vorteil. Sie machte es möglich, die Verbreitung von Glücksspiel zu dokumentieren und ermöglichte dadurch Forschungen zur Geschichte der Casinos heute. Zu Beginn des 16. und 17. Jahrhunderts wurde das hohe und übermäßige Spiel zunehmend verboten. Genauer gesagt, wurden zu hohe Spieleinsätze verboten. Dieser Aspekt ist etwas, das sich in den meisten modernen Glücksspielgesetzen von heute wiederfindet.

Die Renaissance: Das erste moderne Casino öffnet seine Tore

Das erste Spielhaus, welches nach heutigem Standard als Casino gelten würde, wurde im Jahr 1638 in Venedig gegründet: das Ridotto. Ziel des Ridotto war es, ein kontrolliertes Umfeld für Glücksspiele während des Karnevals in Venedig zu garantieren. Hier lassen sich die Vorläufer des heutigen Spielerschutzes erkennen. Davor waren Spieler oft einem hohen Risiko ausgesetzt, an unlautere Anbieter zu geraten.

In den Folgejahren öffneten immer mehr Casinos in Italien, oftmals angebunden an ein Theater, Musik und Tanz. Parallel dazu wurde ein Vorläufer des modernen Pokers um diese Zeit in Persien erfunden. Ebenfalls kam die wissenschaftliche Untersuchung des Glücksspiels in dieser Zeit auf, unter anderem wurde die Wahrscheinlichkeitsrechnung erfunden. Diese Entwicklungen legten die Grundsteine für die spätere Verbreitung von Random Number Generators (RNG), auf denen Slots heute basieren, und auch Spiele wie Roulette.

Das 19. und 20. Jahrhundert

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts formierten sich unterschiedliche Einstellungen zum Glücksspiel. So wurde das Glücksspiel im Jahr 1806 in Frankreich unter Napoleon Bonaparte erlaubt, bis es dann 1837 unter einer neuen Regierung wieder verboten wurde. Innerhalb dieses Zeitraums wuchs die Popularität von Roulette, was zu seiner weiten Verbreitung geführt hat. 

Ab dem Jahr 1837 öffneten viele Casinos im Süden und Westen des heutigen Deutschlands, in Preußen waren die sogenannten „Spielbanken“ hingegen verboten. Eine Theorie für die Ausbreitung dieser Angebote in nicht-preußischen Gebieten ist, dass die noch unabhängigen Staaten sich gegen Preußen abgrenzen wollten. Darüber hinaus scheint es auch finanzielle Gründe gehabt zu haben: Steuereinnahmen aus Glücksspiel finanzierten unzählige Schlösser. Nach der Gründung Deutschlands im Jahr 1871 wurden die Spielbanken bundesweit geschlossen. 

Gleichzeitig etablierten sich die Salons im Land der Freiheit, in den Vereinigten Staaten von Amerika. Diese waren vor allem im Wilden Westen verbreitet, bis das Glücksspiel zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch dort verboten wurde. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden Casinos in den meisten europäischen Staaten unter Auflagen wieder erlaubt und reguliert. Ebenso wurde das Eintrittsalter beschränkt. In den meisten europäischen Staaten sowie in Deutschland liegt dabei die Grenze zwischen 18 und 21 Jahren, wie zum Beispiel in Baden-Württemberg und Bayern.

Das 21. Jahrhundert und die digitale Revolution

Nun kommen wir zu den größten technologischen Revolutionen, dem Internet und allem, was damit einherging. Mit dem Aufkommen des Internets hat sich auch das Casino gewandelt. Heutzutage gibt es unzählige Online Casinos, die es Spielern ermöglichen, auch von unterwegs aus zu spielen. Zeitgleich bieten KI-Anwendungen die Möglichkeit, immer bessere Empfehlungen zu geben. Auch die Entwicklungen in den Bereichen VR und AR gestalten das Spiel von heute noch immersiver.

Bei einigen Anbietern entstehen dadurch jedoch auch Probleme, unter anderem rechtliche Probleme3, aber auch gesundheitliche. Nutzer können heute auf Angebote von überall auf dem Planeten zugreifen. Die meisten dieser Angebote sind allerdings in Deutschland oder in der EU nicht erlaubt. Der Schutz der Spieler in diesen Online Casinos wird derzeit zum Teil erweitert4.

Doch insgesamt bringt die digitale Revolution zahlreiche Vorteile. So kann heute besser als je zuvor überprüft werden, wie lange ein Nutzer schon spielt und gegebenenfalls eingegriffen werden. Auch ist die Kontrolle der Betreiber einfacher, da im Zweifelsfall Seiten einen sogenannten „Geoblock“ erhalten können, sodass sie nicht mehr von Nutzern aus bestimmten Ländern aufgerufen werden können. Wir befinden uns aber erst am Anfang dieser Entwicklung und vieles ist noch in der Mache. Auch sieht man, wie immer wieder Redewendungen wie das „Haus gewinnt immer” gerade im Internet Teil der Popkultur werden5.

Die Zukunft des Glücksspiels

Wie genau die Zukunft des Glücksspiels aussehen wird, lässt sich nicht genau vorhersagen. Wahrscheinlich werden Blockchains und Kryptowährungen stärker im Glücksspielbereich eingesetzt werden. Gerade die Kryptowährungen erfahren gerade eine Renaissance und werden von vielen Kunden geschätzt. 

  1. Glücksspiel. Geschrieben von Geschichte Wien Wiki veröffentlicht von Stadt Wien
  2. Glücksspiel. Geschrieben und veröffentlicht von Wikipedia
  3. Doppelmoral am einarmigen Bandit. Geschrieben von Felix Wendler und veröffentlicht von Weser Kurier. 
  4. Zocken ohne Regeln. Geschrieben von Luca Zug und Maximilian Zierer und veröffentlicht von Tagesschau. 
  5. Casino Redewendungen im Alltag. Geschrieben von Petra Zeitz und veröffentlicht von Casinotopsonline.com/de
Die Geschichte des Glücksspiels in Deutschland 1

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*