
Hinter RTL, Penguin Random House und dem Musikunternehmen BMG steht mit Bertelsmann einer der größten Medienkonzerne Europas. Wem gehört Bertelsmann, und welche Rolle spielt die Gründerfamilie Mohn noch heute?
Bertelsmann gehört überwiegend zwei Stiftungen und der Familie Mohn. Rund 80,9 Prozent der Kapitalanteile liegen bei der Bertelsmann Stiftung, der Reinhard Mohn Stiftung und der BVG-Stiftung, die übrigen rund 19,1 Prozent hält die Familie Mohn direkt. Alle Stimmrechte werden jedoch von der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) gebündelt, die dadurch faktisch 100 Prozent der Stimmen auf den Hauptversammlungen kontrolliert.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 80,9 Prozent der Kapitalanteile liegen bei drei Stiftungen, darunter die Bertelsmann Stiftung.
- Die Familie Mohn hält direkt rund 19,1 Prozent der Kapitalanteile, ohne Börsennotierung des Konzerns.
- Alle Stimmrechte bündelt die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG), die damit 100 Prozent der Stimmen kontrolliert.
- Bertelsmann ist nicht börsennotiert, es gibt keine frei handelbaren Aktien für externe Anleger.
- Größte operative Sparte ist die RTL Group, zu der seit Juni 2026 auch Sky Deutschland gehört.
Hintergrund: Stiftungsstruktur seit den 1970er-Jahren
Bertelsmann geht auf einen 1835 in Gütersloh gegründeten Verlag zurück und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich von Reinhard Mohn zu einem internationalen Medienkonzern ausgebaut. Um das Unternehmen langfristig vor Zersplitterung durch Erbteilungen zu schützen und zugleich gesellschaftliches Engagement zu verankern, gründete Mohn 1977 die Bertelsmann Stiftung und übertrug ihr den Großteil der Kapitalanteile. Die Stimmrechte bündelte er separat in der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft, sodass die operative Kontrolle bei der Familie und einem kleinen Kreis Verantwortlicher blieb, während die Kapitalerträge größtenteils gemeinnützigen Zwecken zugutekommen. Diese Konstruktion aus Kapital- und Stimmrechtstrennung gilt bis heute als Vorbild für andere Familienunternehmen, die eine Zersplitterung durch spätere Erbengenerationen verhindern wollen.
Eigentümerstruktur im Überblick
| Ebene | Beteiligte | Anteil / Funktion |
|---|---|---|
| Kapitalanteile | Bertelsmann Stiftung, Reinhard Mohn Stiftung, BVG-Stiftung | zusammen ca. 80,9 % |
| Kapitalanteile | Familie Mohn (direkt) | ca. 19,1 % |
| Stimmrechte | Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) | bündelt 100 % der Stimmrechte |
Was gehört noch zum selben Konzern?
Zu Bertelsmann gehört die RTL Group mit den Sendern RTL und VOX in Deutschland sowie der Produktionsfirma Fremantle und dem Streamingdienst RTL+; seit Juni 2026 zählt auch Sky Deutschland mit der Marke WOW zu RTL Deutschland. Hinzu kommen der Buchverlag Penguin Random House mit Imprints wie Random House, Goldmann und Heyne, das Musikunternehmen BMG mit Rechten unter anderem an Werken von Céline Dion, der Dienstleistungskonzern Arvato sowie die Bertelsmann Education Group. Bis 2024 gehörte über die RTL Group auch die DDV Mediengruppe zum Konzern, zu der die Sächsische Zeitung zählte, bevor Bertelsmann diese Beteiligung an die Mediengruppe Madsack verkaufte.
Häufig gestellte Fragen
Ist Bertelsmann börsennotiert?
Nein. Bertelsmann ist nicht an der Börse notiert, es gibt keine öffentlich handelbaren Aktien. Externe Investoren können sich am Konzern nicht direkt beteiligen.
Bekommt die Familie Mohn Bertelsmann-Gewinne?
Über ihren direkten Kapitalanteil von rund 19,1 Prozent ist die Familie Mohn am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt, während die Erträge aus den Stiftungsanteilen überwiegend gemeinnützigen Zwecken zufließen.
Was macht die Bertelsmann Stiftung?
Die Bertelsmann Stiftung ist eine gemeinnützige Organisation, die unabhängig vom operativen Konzerngeschäft Studien, Projekte und Programme in Bereichen wie Bildung und Demokratie finanziert.
Gehört RTL Deutschland zu Bertelsmann?
Ja, RTL Deutschland ist Teil der RTL Group, die wiederum die größte operative Sparte des Bertelsmann-Konzerns ist und seit Juni 2026 auch Sky Deutschland umfasst.
Warum hat Bertelsmann die Sächsische Zeitung verkauft?
Bertelsmann Investments trennte sich 2024 von seiner letzten regionalen Zeitungsbeteiligung, der DDV Mediengruppe, um sich stärker auf digitale, internationale und margenstärkere Mediengeschäfte wie Streaming und Verlagswesen zu konzentrieren.
Wie diese Verkaufsentscheidung sich konkret auswirkte, zeigt der Artikel zur Sächsischen Zeitung, die seither zur Mediengruppe Madsack gehört. Die neue Konzernschwester Sky ist seit Juni 2026 ebenfalls Teil der RTL-Sparte. Eine ähnliche Stiftungslogik wie bei Bertelsmann findet sich auch beim Möbelkonzern IKEA.

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