Wem gehört IKEA? Stiftungen und Eigentümerstruktur

Wem gehört IKEA? Stiftungen und Eigentümerstruktur 1

IKEA ist der größte Möbelhändler der Welt, doch die Eigentümerstruktur dahinter gilt als eine der kompliziertesten der Konsumgüterbranche. Wem gehört IKEA eigentlich, und welche Rolle spielt die Gründerfamilie Kamprad heute noch?

IKEA gehört keiner Person, sondern zwei Stiftungen. Die Markenrechte liegen bei der in Liechtenstein ansässigen Interogo Foundation, die über die Inter IKEA Holding das Unternehmen Inter IKEA Systems kontrolliert, welches die IKEA-Marke weltweit per Franchise an Einzelhändler vergibt. Das operative Filialgeschäft in den meisten Ländern läuft über die Ingka Group, die wiederum von der niederländischen Stichting INGKA Foundation getragen wird. Die Gründerfamilie Kamprad hat auf beide Stiftungen seit 2013 keinen bestimmenden Einfluss mehr.

Das Wichtigste in Kürze

  • IKEA gehört zwei unabhängigen Stiftungen, nicht mehr direkt der Gründerfamilie Kamprad.
  • Die Markenrechte liegen bei der Interogo Foundation in Liechtenstein, über die Inter IKEA Holding und Inter IKEA Systems.
  • Das Filialgeschäft läuft über die Ingka Group, getragen von der niederländischen Stichting INGKA Foundation.
  • Gründer Ingvar Kamprad verzichtete 2013 auf sein Recht, Mitglieder des Stiftungsrats zu benennen.
  • Familienmitglieder dürfen laut Stiftungssatzung keine Mehrheit im Stiftungsrat stellen, was formalen Familieneinfluss ausschließt.

Hintergrund: Warum IKEA zwei Stiftungen gehört

Ingvar Kamprad gründete IKEA 1943 in Schweden und baute daraus über Jahrzehnte einen weltweiten Möbelkonzern auf. Bereits in den 1980er-Jahren trennte er Markenrechte und operatives Filialgeschäft in getrennte Stiftungsstrukturen, offiziell begründet mit dem langfristigen Erhalt des Unternehmens unabhängig von einzelnen Erben und mit steuerlichen Erwägungen. 2013 verzichtete Kamprad zusätzlich auf sein persönliches Recht, Mitglieder des Stiftungsrats der Interogo Foundation zu bestimmen, und schrieb fest, dass Familienmitglieder dort künftig keine Mehrheit mehr stellen dürfen. Nach seinem Tod 2018 blieb diese Doppelstiftungsstruktur unverändert bestehen. Kritiker bemängelten in der Vergangenheit vor allem die geringe Transparenz der Stiftungskonstruktion sowie mögliche steuerliche Vorteile, die IKEA selbst stets mit dem Ziel des langfristigen Unternehmenserhalts begründete.

Eigentümerstruktur im Überblick

EbeneGesellschaftZuständigkeit
StiftungInterogo Foundation (Liechtenstein)Kontrolliert Markenrechte über Inter IKEA Holding
MarkenrechteInter IKEA Systems B.V.Vergibt IKEA-Markenlizenzen an Einzelhändler weltweit
StiftungStichting INGKA Foundation (Niederlande)Kontrolliert Ingka Group
EinzelhandelIngka GroupBetreibt den Großteil der IKEA-Filialen weltweit

Was gehört noch zum selben Konzern?

Neben dem klassischen Möbelgeschäft unter der Marke IKEA gehören zur Ingka Group auch Ingka Investments, über die in Immobilien und erneuerbare Energien investiert wird, sowie Ingka Centres, das Einkaufszentren rund um IKEA-Filialen entwickelt und betreibt. Die separat organisierte IKEA Foundation ist die gemeinnützige Stiftung des Konzerns und finanziert internationale Hilfsprojekte, etwa gemeinsam mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Diese Aktivitäten sind organisatorisch von den beiden Kernstiftungen getrennt, gehen aber auf dieselbe unternehmerische Grundidee der Kamprad-Struktur zurück, Kapital dauerhaft im Unternehmen und in unternehmensnahen Projekten zu halten statt es an Erben auszuschütten.

Häufig gestellte Fragen

Gehört IKEA noch der Familie Kamprad?

Formal nicht mehr. Seit 2013 dürfen Familienmitglieder laut Stiftungssatzung keine Mehrheit im Stiftungsrat der Interogo Foundation stellen, wodurch der direkte Kontrolleinfluss der Familie entfiel.

Warum gibt es zwei Stiftungen statt einer?

Die Trennung von Markenrechten und operativem Filialgeschäft in zwei unabhängige Stiftungsstrukturen soll laut Unternehmensdarstellung verhindern, dass eine einzelne Fehlentscheidung beide Bereiche gleichzeitig gefährdet.

Ist IKEA börsennotiert?

Nein, IKEA ist nicht börsennotiert. Sowohl Inter IKEA als auch die Ingka Group befinden sich vollständig im Besitz ihrer jeweiligen Stiftung, es gibt keine öffentlich gehandelten Aktien.

Betreiben auch andere Unternehmen IKEA-Filialen?

Ja, neben der Ingka Group als größtem Franchisenehmer betreiben in einigen Ländern auch unabhängige Franchisepartner IKEA-Filialen auf Basis von Lizenzverträgen mit Inter IKEA Systems.

Wofür steht die Abkürzung IKEA?

IKEA setzt sich aus den Initialen von Ingvar Kamprad sowie Elmtaryd und Agunnaryd zusammen, dem Hof und Dorf, in denen der Gründer aufwuchs.

Eine ähnlich stiftungsgeprägte Struktur zeigt sich beim Medienkonzern Bertelsmann, während bei Ferrero weiterhin eine einzelne Familie unmittelbar das Sagen hat. Wie unterschiedlich Franchise- und Filialmodelle im Einzelhandel organisiert sein können, zeigt auch der Blick auf die Drogeriekette dm.

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