
Nutella, Kinder-Schokolade und Tic Tac stehen in fast jedem deutschen Supermarktregal, doch der Konzern dahinter tritt selbst kaum in Erscheinung. Wem gehört Ferrero, und warum ist der Süßwarenriese so verschwiegen?
Ferrero gehört vollständig der italienischen Gründerfamilie Ferrero. Anders als viele Wettbewerber ist der Konzern nicht an der Börse notiert, das gesamte Kapital liegt in privater Hand. Geführt wird die Gruppe von Giovanni Ferrero, dem Enkel des Firmengründers Pietro Ferrero, der das Unternehmen seit 1997 leitet und seit dem Tod seines Bruders Giovanni Pietro im Jahr 2011 alleiniger Kopf der Familie an der Konzernspitze ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Ferrero gehört zu 100 Prozent der Familie Ferrero, es gibt keine Börsennotierung und keine externen Aktionäre.
- Giovanni Ferrero führt den Konzern als Vorstandsvorsitzender in dritter Generation seit 1997.
- Die Holding sitzt in Luxemburg, die operative Zentrale des Konzerns liegt weiterhin im piemontesischen Alba.
- Der Konzern ist stark akquisitionsgetrieben gewachsen, unter anderem durch den Kauf von US-Marken wie Keebler und Fannie May.
- Michele Ferrero, Erfinder von Nutella, ist 2015 verstorben, seither führt sein Sohn Giovanni allein.
Hintergrund: Vom Alba-Familienbetrieb zum Weltkonzern
Pietro Ferrero gründete das Unternehmen 1946 im piemontesischen Alba, wo es bis heute seinen operativen Kern hat. Sein Sohn Michele Ferrero entwickelte in den folgenden Jahrzehnten die heutigen Kernmarken, darunter 1964 Nutella. Nach Micheles Tod 2015 übernahm sein Sohn Giovanni Ferrero die Alleinführung, nachdem sein Bruder Giovanni Pietro bereits 2011 überraschend gestorben war. Unter Giovanni Ferrero wuchs der Konzern vor allem durch internationale Zukäufe stark, während die Eigentümerstruktur unverändert vollständig in Familienhand blieb. Anders als viele Wettbewerber, die für Wachstum an die Börse gingen oder Finanzinvestoren ins Boot holten, finanzierte Ferrero seine Expansion überwiegend aus eigener Kraft und über Kredite, ohne externe Kapitalgeber am Eigenkapital zu beteiligen.
Eigentümerstruktur im Überblick
| Ebene | Gesellschaft | Eigentümer |
|---|---|---|
| Konzernholding | Ferrero International S.A. (Luxemburg) | Familie Ferrero, 100 % |
| Operative Führung | Ferrero Group, Sitz Alba/Italien | Giovanni Ferrero (CEO) |
| Börsennotierung | keine | entfällt |
Was gehört noch zum selben Konzern?
Zum Ferrero-Konzern zählen neben Nutella die Marken Kinder mit Kinder Schokolade, Kinder Überraschung und Kinder Bueno, außerdem Tic Tac, Mon Chéri, Ferrero Rocher, Raffaello, Duplo, Hanuta und Yogurette. Durch Zukäufe erweiterte sich das Portfolio deutlich: 2018 übernahm Ferrero das US-Süßwarengeschäft von Nestlé mit Marken wie Butterfinger und Baby Ruth, 2019 die Keksmarken Keebler und Famous Amos von Kellogg, 2021 den britischen Keksproduzenten Burton’s Biscuit Company und 2023 den amerikanischen Bonbonhersteller Jelly Belly. Damit ist Ferrero heute deutlich breiter aufgestellt, als der zurückhaltende Markenauftritt vermuten lässt.
Häufig gestellte Fragen
Ist Ferrero an der Börse notiert?
Nein. Ferrero ist ein rein privates Familienunternehmen ohne Börsennotierung, weshalb detaillierte Finanzzahlen seltener veröffentlicht werden als bei börsennotierten Wettbewerbern wie Mondelez.
Wer ist der reichste Ferrero?
Giovanni Ferrero gilt als Kopf und größter Anteilseigner der Familie und wird regelmäßig in internationalen Milliardärslisten geführt, konkrete Vermögensangaben veröffentlicht das Unternehmen selbst jedoch nicht.
Warum sitzt die Holding in Luxemburg?
Die Holdingstruktur in Luxemburg dient der internationalen Konzernsteuerung und bündelt die weltweiten Landesgesellschaften unter einem Dach, während die operative und historische Heimat des Unternehmens Alba in Italien bleibt.
Gehört Nutella zu einem anderen Konzern?
Nein, Nutella ist und bleibt eine Kernmarke von Ferrero und wurde nie an einen anderen Konzern verkauft oder lizenziert, anders als es bei manchen Gerüchten kursiert.
Plant Ferrero einen Börsengang?
Öffentlich bekannte Pläne für einen Börsengang gibt es nicht. Die Familie Ferrero hat in der Vergangenheit wiederholt betont, an der privaten Eigentümerstruktur festhalten zu wollen, um unabhängig von kurzfristigen Renditeerwartungen des Kapitalmarkts entscheiden zu können.
Wie stark Übernahmen ein Portfolio verändern können, zeigt auch der Vergleich mit dem Wettbewerber Mondelez, der als Streubesitzkonzern einen völlig anderen Eigentümerweg gegangen ist. Erhältlich sind Ferrero-Produkte unter anderem bei Edeka und Rewe, deren Eigentümerstrukturen sich ebenfalls deutlich von der Ferrero-Familienholding unterscheiden.

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