Wem gehört Deutschland? Boden und Konzerne im Überblick

Wem gehört Deutschland? Boden und Konzerne im Überblick 1

Anders als bei einer Marke oder einem Konzern lässt sich ein Staat nicht einfach „besitzen“. Trotzdem wird die Frage, wem Deutschland gehört, häufig gestellt, meist mit Blick auf Grund und Boden oder auf den Anteil ausländischer Investoren an deutschen Unternehmen. Wem gehört Deutschland also im wirtschaftlichen Sinn?

Staatsrechtlich gehört Deutschland niemandem, sondern ist als Bundesrepublik ein souveräner Staat, dessen Fläche und Institutionen dem Grundgesetz unterstehen. Wirtschaftlich betrachtet ist der Boden Deutschlands überwiegend privat aufgeteilt, während bei den großen börsennotierten Unternehmen ausländische Investoren inzwischen einen Anteil von über der Hälfte des Kapitals halten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschland gehört als souveräner Staat niemandem im Eigentumssinn, Grundlage ist das Grundgesetz.
  • Der Boden verteilt sich zu rund 43,6 Prozent auf Privatpersonen, rund 34 Prozent liegen in staatlicher Hand.
  • Die beiden großen Kirchen sind mit knapp 830.000 Hektar der größte einzelne Grundbesitzer des Landes.
  • Bei den Dax-Konzernen halten ausländische Investoren rund 52 Prozent des Kapitals (Stand 2023).
  • Rund die Hälfte der deutschen Landesfläche wird landwirtschaftlich genutzt, knapp 30 Prozent sind Wald.

Hintergrund: Zwei verschiedene Fragen in einer

Wer nach dem Eigentümer eines Landes fragt, meint in der Regel eine von zwei unterschiedlichen Fragen: Wem gehört physisch der Boden, und wem gehören die Unternehmen, die auf diesem Boden wirtschaften? Beide Fragen lassen sich mit amtlichen Daten beantworten. Das Statistische Bundesamt weist für Deutschland eine Gesamtfläche von rund 357.683 Quadratkilometern aus (Stand 31. Dezember 2024), von der über 83 Prozent land- oder forstwirtschaftlich beziehungsweise als sonstige Vegetationsfläche genutzt werden. Parallel dazu zeigt die Aktionärsstatistik der Deutschen Börse, dass sich die Eigentümerstruktur der größten deutschen Unternehmen seit den 1990er-Jahren stark internationalisiert hat.

Wer besitzt was: Boden und Unternehmen im Überblick

BereichVerteilungQuelle/Stand
Bodenfläche nach EigentümergruppePrivatpersonen ca. 43,6 %, Staat ca. 34 %, Rest u. a. Kirchen/UnternehmenAmtliche Erhebungen, zusammengefasst
Waldfläche nach EigentümerPrivatwald 48 %, Länder 29 %, Körperschaften 19 %, Bund 4 %Nationalatlas Deutschland
Größter kirchlicher Grundbesitzknapp 830.000 Hektar (beide Kirchen zusammen)Medienrecherchen zu Kirchenbesitz
Dax-Unternehmen, Kapitalanteilca. 52,1 % ausländische Investoren, ca. 31,3 % inländischeDeutsches Aktieninstitut, 2023

Wem gehören die großen deutschen Unternehmen?

Bei den Dax-Konzernen hat sich der Anteil ausländischer Investoren seit 2001 mehr als verdoppelt: Lag er damals bei rund 35,5 Prozent, überschritt er 2007 erstmals die Marke von 50 Prozent und lag 2023 bei rund 52,1 Prozent, während etwa 31,3 Prozent des Kapitals bei deutschen Anlegern verblieben. Rund 90 Prozent der ausländischen Anteile stammen aus Nordamerika und Europa. Neben diesem breiten Streubesitzmuster gibt es aber weiterhin bedeutende Familienunternehmen wie BMW oder Ferrero, bei denen einzelne Familien auch international betrachtet die Kontrollmehrheit behalten haben, sowie stiftungsgeführte Konzerne wie Bertelsmann.

Häufig gestellte Fragen

Wem gehört das meiste Land in Deutschland?

Insgesamt liegt der größte Flächenanteil bei Privatpersonen und privaten Land- und Forstwirten. Als einzelne institutionelle Gruppe gelten die beiden großen Kirchen mit knapp 830.000 Hektar als größter Grundbesitzer.

Gehören deutsche Konzerne mehrheitlich dem Ausland?

Bei den Dax-Unternehmen insgesamt liegt der Kapitalanteil ausländischer Investoren mit rund 52,1 Prozent (2023) leicht über dem inländischer Anleger, das gilt aber nicht für jedes einzelne Unternehmen gleichermaßen.

Wie viel Land besitzt der deutsche Staat selbst?

Bund, Länder und Kommunen zusammen kommen laut zusammengefassten amtlichen Erhebungen auf einen Anteil von rund 34 Prozent der Bodenfläche, verteilt auf Verwaltungsflächen, Wald, Straßen und weitere öffentliche Nutzungen.

Kann man als Ausländer Boden in Deutschland kaufen?

Grundsätzlich ja, der Grundstückserwerb unterliegt in Deutschland keiner generellen Nationalitätsbeschränkung, wird aber je nach Bundesland und Nutzungsart, etwa bei landwirtschaftlichen Flächen, unterschiedlich reguliert.

Ist der Begriff „Deutschland gehört…“ wörtlich gemeint?

Nein, staatsrechtlich ist ein souveränes Land kein Eigentum im zivilrechtlichen Sinn. Die Formulierung wird umgangssprachlich meist für Fragen nach Boden- oder Unternehmensbesitz verwendet, wie in diesem Artikel dargestellt.

Wie stark einzelne deutsche Konzerne von dieser Internationalisierung des Aktienbesitzes abweichen können, zeigt der Blick auf BMW, wo eine deutsche Familie weiterhin die Stimmenmehrheit hält, oder auf Bertelsmann, dessen Stiftungsstruktur ebenfalls von der reinen Streubesitzlogik abweicht. Auch der Hamburger Hafen zeigt, wie sich staatlicher und privater Besitz an einer einzelnen deutschen Infrastruktur mischen können.

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