
Im Unterschied zum Südpol, der auf dem festen Kontinent Antarktika liegt, befindet sich der Nordpol mitten im Nordpolarmeer, unter einer treibenden Eisdecke. Das hat rechtliche Folgen für die Frage, wem er gehört.
Dem Nordpol selbst gehört kein Staat. Er liegt als offenes Meer außerhalb aller nationalen Hoheitsgewässer und gilt völkerrechtlich als Hohe See. Umstritten sind lediglich erweiterte Festlandsockelansprüche einzelner Anrainerstaaten wie Russland, Kanada und Dänemark, die sich auf den Meeresboden, nicht auf den Pol als Gebiet, beziehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Kein Staat besitzt den Nordpol: Er liegt in internationalen Gewässern und gilt als Hohe See, nicht als Staatsgebiet.
- UN-Seerechtsübereinkommen regelt Zonen: Das seit 1994 geltende Abkommen erlaubt Küstenstaaten eine ausschließliche Wirtschaftszone bis 200 Seemeilen und unter bestimmten Voraussetzungen einen erweiterten Festlandsockelanspruch.
- Russland beansprucht große Flächen: Moskau reichte 2001 erstmals, 2015 und 2021 aktualisiert Anträge auf einen ausgedehnten Festlandsockel ein, die Teile des Lomonossow-Rückens bis über den Pol hinaus einschließen.
- Kanada und Dänemark mit eigenen Ansprüchen: Kanada erweiterte 2019 seine 2013 eingereichten Ansprüche ins Nordpolarmeer, Dänemark erhob 2014 über Grönland Anspruch auf angrenzende Gebiete.
- Ansprüche betreffen den Meeresboden, nicht den Pol als Territorium: Auch bei einer Anerkennung erweiterter Festlandsockelrechte bliebe die Wassersäule über dem Nordpol völkerrechtlich Hohe See.
UN-Seerechtsübereinkommen und Festlandsockel
Das UN-Seerechtsübereinkommen (SRÜ, UNCLOS) von 1982, seit 1994 in Kraft, bildet die rechtliche Grundlage für die Aufteilung mariner Ressourcen. Küstenstaaten dürfen danach Ressourcen bis 200 Seemeilen von ihrer Küste in einer „ausschließlichen Wirtschaftszone“ nutzen. Können sie zusätzlich nachweisen, dass sich ihr geologischer Festlandsockel weiter ins Meer erstreckt, können sie bei der zuständigen UN-Kommission einen erweiterten Anspruch auf den Meeresboden geltend machen – nicht jedoch auf das Wasser selbst.
Auf dieser Grundlage haben mehrere Arktisanrainer Anträge gestellt. Russland reichte 2001 einen ersten Antrag über rund 1,2 Millionen Quadratkilometer ein, der Teile des Nordpolarmeeres einschließt, und aktualisierte ihn 2015 sowie 2021 mit Bezug auf den Lomonossow-Rücken über den Pol hinaus. Kanada erweiterte 2019 seine ursprünglich 2013 eingereichten Ansprüche ins Nordpolarmeer, Dänemark erhob 2014 über Grönland ähnliche Ansprüche. Norwegen und Russland einigten sich bereits 2010 auf eine Grenzziehung in der Barentssee. Über die konkurrierenden Festlandsockelansprüche am Nordpol selbst ist noch nicht abschließend entschieden.
Ansprüche der Arktisanrainer
| Staat | Antrag / Status |
|---|---|
| Russland | Anträge 2001, 2015, 2021 über den Lomonossow-Rücken bis über den Pol hinaus |
| Kanada | Anspruch 2013 im Atlantik, 2019 erweitert ins Nordpolarmeer |
| Dänemark (Grönland) | Anspruch 2014 auf Gebiete nördlich Grönlands bis über den Pol hinaus |
| Norwegen | Grenzeinigung mit Russland in der Barentssee 2010 |
Wie hängt der Nordpol mit anderen ungeklärten Gebieten zusammen?
Ähnlich wie beim Mond geht es auch am Nordpol nicht um klassisches Eigentum, sondern um die Reichweite staatlicher Nutzungsrechte an Ressourcen. Während der Mond durch den Weltraumvertrag jeglicher nationaler Aneignung entzogen ist, erlaubt das Seerecht Küstenstaaten immerhin abgestufte Nutzungsrechte am Meeresboden – der Nordpol als solcher bleibt aber in jedem Szenario Hohe See.
Häufig gestellte Fragen
Gehört der Nordpol zu Russland?
Nein. Russland hat lediglich einen Festlandsockelantrag gestellt, der Gebiete bis über den Pol hinaus einschließt; ein anerkannter Souveränitätsanspruch auf den Pol besteht nicht.
Kann man am Nordpol Land kaufen?
Nein, es gibt am Nordpol kein Staatsgebiet und damit kein Grundeigentum im rechtlichen Sinn.
Was passiert, wenn die UN-Kommission einem Antrag zustimmt?
Der betreffende Staat erhielte Nutzungsrechte am Meeresboden und dessen Ressourcen, nicht aber Souveränität über die Wassersäule oder das Gebiet als Staatsgebiet.
Ist das Eis am Nordpol Staatsgebiet?
Nein, die Eisdecke treibt über internationalen Gewässern und begründet kein Staatsgebiet.
Wie unterscheidet sich der Status von Nordpol und Südpol?
Der Südpol liegt auf dem festen Kontinent Antarktika, dessen Status der Antarktisvertrag regelt; der Nordpol liegt dagegen im offenen Nordpolarmeer und unterliegt dem Seerecht.
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