Wem gehört Snapchat? Eigentümer und Konzernstruktur

Wem gehört Snapchat? Eigentümer und Konzernstruktur 1

Snapchat ist eine der bekanntesten Messaging-Apps unter jungen Nutzerinnen und Nutzern. Wer wissen will, wem gehört Snapchat: Die App gehört dem börsennotierten US-Unternehmen Snap Inc., das die Mitgründer Evan Spiegel und Bobby Murphy dank einer besonderen Aktienstruktur weiterhin mit klarer Stimmenmehrheit kontrollieren, obwohl sie nur einen Teil des Kapitals besitzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kontrolle: Evan Spiegel und Bobby Murphy halten zusammen rund 95,8 Prozent der Stimmrechte, aber deutlich weniger Kapitalanteile.
  • Aktienstruktur: Snap Inc. nutzt Aktienklassen mit unterschiedlichem Stimmrecht, sodass die Gründer trotz kleinerer Kapitalbeteiligung die Kontrolle behalten.
  • Großer Kapitalinvestor: Der Vermögensverwalter Fidelity hält rund 14,6 Prozent des Grundkapitals.
  • Tencent-Beteiligung: Der chinesische Technologiekonzern Tencent hält seit November 2017 rund 12 Prozent stimmrechtslose Anteile.
  • Börsengang 2017: Snap Inc. ging im März 2017 an der New Yorker Börse an die Öffentlichkeit.

Hintergrund: eine App aus dem Stanford-Studentenwohnheim

Snapchat entstand 2011 als Projekt von drei Stanford-Studenten: Evan Spiegel, Bobby Murphy und Reggie Brown. Die App wurde bekannt für Fotos und Nachrichten, die nach kurzer Zeit automatisch verschwinden. Reggie Brown verließ das Unternehmen früh im Streit über seine Rolle als Mitgründer und einigte sich später außergerichtlich auf eine Zahlung von 157,5 Millionen US-Dollar. Spiegel und Murphy bauten das Unternehmen als Snap Inc. weiter aus und brachten es im März 2017 an die Börse. Beim Börsengang legten sie eine Aktienstruktur mit drei Klassen fest, die es ihnen erlaubt, auch mit einem kleineren Kapitalanteil die unternehmerische Kontrolle zu behalten. Investoren, die Aktien an der Börse kaufen, erhalten überwiegend stimmrechtslose oder stimmrechtsarme Anteile. Diese Konstruktion ist im Silicon Valley bei Technologieunternehmen verbreitet, weil sie Gründerinnen und Gründern erlaubt, Kapital über die Börse einzusammeln, ohne die strategische Kontrolle an externe Investoren abzugeben. Kritiker solcher Mehrklassen-Aktienmodelle wenden ein, dass Publikumsaktionäre dadurch kaum Einfluss auf zentrale Unternehmensentscheidungen nehmen können, selbst wenn sie einen erheblichen Teil des eingesetzten Kapitals stellen.

Eigentümerstruktur im Überblick

BeteiligteKapital- bzw. StimmenanteilBemerkung
Evan Spiegel und Bobby Murphyrund 95,8 Prozent der StimmrechteMitgründer, über stimmrechtsstarke Aktienklasse
Fidelity Investmentsrund 14,6 Prozent des Kapitalsgrößter institutioneller Kapitalanteil
Tencentrund 12 Prozent, stimmrechtslosseit November 2017

Diese Konstruktion bedeutet: Wer an der Börse Snap-Aktien kauft, erwirbt zwar einen Kapitalanteil, aber praktisch kein Mitspracherecht bei Unternehmensentscheidungen. Diese bleiben bei den Gründern.

Was gehört noch zum selben Konzern?

Snap Inc. betreibt neben der Kernapp Snapchat weitere Produkte, darunter die Kamera-Sonnenbrille Spectacles, die Augmented-Reality-Plattform Snap AR mit ihren bekannten Gesichtsfiltern sowie die App Bitmoji für animierte Avatare, die Snap 2016 vom kanadischen Unternehmen Bitstrips übernahm. Mit Spectacles verfolgt das Unternehmen seit Jahren das Ziel, sich neben der Software auch im Bereich tragbarer Hardware und Augmented-Reality-Brillen zu positionieren, bislang allerdings mit deutlich geringerem kommerziellem Erfolg als die eigentliche App. Zudem investiert Snap in eigene Werbetechnologie und Kartendienste über die Funktion Snap Map. Ein breites Konsumgütermarkenportfolio wie bei klassischen Konzernen existiert nicht, da sich Snap Inc. auf sein digitales Kernprodukt und dessen technische Erweiterungen konzentriert.

Häufig gestellte Fragen

Kontrollieren die Gründer Snapchat noch?

Ja, über eine spezielle Aktienstruktur halten Evan Spiegel und Bobby Murphy zusammen rund 95,8 Prozent der Stimmrechte.

Gehört Snapchat zu Tencent?

Nein. Tencent hält rund 12 Prozent stimmrechtslose Kapitalanteile und damit kein Mitspracherecht bei Unternehmensentscheidungen.

Seit wann ist Snap Inc. börsennotiert?

Der Börsengang erfolgte im März 2017 an der New York Stock Exchange.

Was geschah mit dem dritten Mitgründer Reggie Brown?

Er verließ das Unternehmen früh im Streit und erhielt später eine außergerichtliche Zahlung von 157,5 Millionen US-Dollar.

Welche weiteren Produkte gehören zu Snap Inc.?

Dazu zählen die Kamera-Sonnenbrille Spectacles, die Avatar-App Bitmoji und die Augmented-Reality-Plattform mit den bekannten Snapchat-Filtern.

Wie andere Technologieunternehmen mit besonderen Kontrollstrukturen aufgestellt sind, zeigt der Artikel zu Amazon. Einen Vergleich mit einem deutschen Medienunternehmen liefert der Artikel zu RTL.

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