Wem gehört Rolls-Royce? Eigentümer und Konzernstruktur

Wem gehört Rolls-Royce? Eigentümer und Konzernstruktur 1

Kaum eine Eigentumsfrage ist so verwirrend wie die bei Rolls-Royce – und genau das macht sie zu einem Klassiker der Fehlannahmen. Die direkte Antwort: Es gibt heute zwei völlig unabhängige Unternehmen namens Rolls-Royce mit unterschiedlichen Eigentümern, die nichts miteinander zu tun haben außer dem gemeinsamen Namen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Antwort: Rolls-Royce Motor Cars (Luxusautos) gehört seit 2003 zu 100 Prozent zu BMW, während Rolls-Royce Holdings plc (Flugtriebwerke) ein eigenständiger, börsennotierter britischer Konzern ohne Mehrheitseigner ist.
  • Beide Firmen entstanden aus derselben Ursprungsgesellschaft von 1906, trennten sich aber schon 1973 in Automobil- und Triebwerkssparte.
  • BMW sicherte sich 1998 die Markenrechte am Namen „Rolls-Royce“ für Automobile und nutzt sie exklusiv seit 2003.
  • Rolls-Royce Holdings (Triebwerke) ist im britischen Leitindex FTSE 100 notiert und baut Antriebe für Zivil- und Militärluftfahrt sowie Marine- und Energietechnik.
  • Wer eine Rolls-Royce-Aktie kaufen will, kauft automatisch Anteile am Triebwerkshersteller – die Automarke ist nicht separat börsennotiert.

Eine Trennung mit langer Vorgeschichte

Rolls-Royce wurde 1906 von Charles Rolls und Henry Royce als ein einziges Unternehmen gegründet, das sowohl Luxusautomobile als auch – ab dem Ersten Weltkrieg – Flugzeugtriebwerke baute. 1971 geriet die Triebwerkssparte in eine finanzielle Krise und wurde verstaatlicht; 1973 spaltete die britische Regierung die Automobilsparte als eigenständiges Unternehmen (Rolls-Royce Motors) ab.

Die Automobilsparte wechselte in den 1980er- und 1990er-Jahren mehrfach den Besitzer, bis der britische Rüstungs- und Industriekonzern Vickers sie 1997 zum Verkauf stellte. Im Bieterwettstreit zwischen BMW und Volkswagen sicherte sich VW zwar 1997 das Werk in Crewe und die Kühlerfigur „Spirit of Ecstasy“, übersah aber, dass die eigentlichen Namensrechte an „Rolls-Royce“ noch immer beim Triebwerkshersteller lagen. BMW nutzte diese Lücke, kaufte sich 1998 die Markenrechte und übernahm die automobile Nutzung des Namens zum 1. Januar 2003 – seither produziert BMW Rolls-Royce-Fahrzeuge in einem eigenen Werk in Goodwood, Südengland.

Rolls-Royce Motor Cars vs. Rolls-Royce Holdings

Rolls-Royce Motor CarsRolls-Royce Holdings plc
GeschäftsfeldLuxusautomobileFlugtriebwerke, Marine, Energie
EigentümerBMW AG (100 %)Börsennotiert, kein Mehrheitseigner
Sitz / ProduktionGoodwood, EnglandDerby, England
Seit wann in dieser Form2003Eigenständig seit 1973

Was gehört noch zum jeweiligen Konzern?

Rolls-Royce Motor Cars ist als hundertprozentige Tochter Teil der BMW Group und steht damit neben Marken wie BMW und MINI im Konzernportfolio. Rolls-Royce Holdings dagegen ist ein eigenständiger Industriekonzern mit Sparten für Zivilluftfahrt-Triebwerke (etwa für Airbus und Boeing), Verteidigungstechnik, Marineantriebe und zunehmend auch kleine modulare Kernreaktoren (SMR) für die Energieerzeugung.

Die beiden Unternehmen haben keine Kapitalverflechtung und keinen gemeinsamen Vorstand – die einzige Verbindung ist eine Markenlizenzvereinbarung, die BMW die Nutzung des Namens für Automobile erlaubt.

Häufig gestellte Fragen

Gehört Rolls-Royce jetzt zu BMW oder nicht?

Nur teilweise: Der Autohersteller Rolls-Royce Motor Cars gehört zu 100 Prozent BMW. Der viel größere Triebwerkskonzern Rolls-Royce Holdings ist davon unabhängig und gehört BMW nicht.

Warum tragen zwei unabhängige Firmen denselben Namen?

Weil beide historisch aus demselben 1906 gegründeten Unternehmen hervorgingen, das sich 1973 in eine Automobil- und eine Triebwerkssparte aufteilte. BMW erwarb später nur die Namensrechte für die Automobilnutzung.

Baut Rolls-Royce Holdings auch Autos?

Nein. Seit der Trennung 1973 konzentriert sich Rolls-Royce Holdings ausschließlich auf Triebwerke, Marinetechnik und Energieerzeugung, nicht auf Fahrzeuge.

Kann ich Aktien von Rolls-Royce-Autos kaufen?

Nein. Rolls-Royce Motor Cars ist nicht separat börsennotiert, da es vollständig zu BMW gehört. Handelbar sind nur Aktien von BMW oder von Rolls-Royce Holdings (Triebwerke).

Seit wann produziert BMW die Fahrzeuge in Goodwood?

Seit 2003. Zuvor lief die Produktion bis 2002 im traditionsreichen Werk Crewe, das im Zuge der Aufteilung an Volkswagen ging.

Ähnliche Verwechslungsgefahr besteht bei anderen Traditionsmarken: Auch bei Ferrari ist die Eigentümerstruktur komplexer, als der Markenname vermuten lässt, und bei Bentley – dem einstigen Rivalen von Rolls-Royce – liegt die Kontrolle heute bei einem ganz anderen Autokonzern. Aktuelle Unternehmensdaten zu Rolls-Royce Holdings veröffentlicht der Konzern selbst im jährlichen Geschäftsbericht an der London Stock Exchange.

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