
Ferrari gehörte lange zum Fiat-Konzern und wird bis heute oft fälschlich als reine Fiat- oder Stellantis-Tochter wahrgenommen. Die direkte Antwort: Ferrari ist seit 2015 ein eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen, dessen größter Anteilseigner die Investmentholding Exor der italienischen Agnelli-Familie ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Antwort: Größter Aktionär ist Exor N.V. (Agnelli-Familie) mit rund 21,2 Prozent der Aktien, über ein Treueprämien-Stimmrecht aber 32,2 Prozent der Stimmrechte.
- Zweitgrößter Anteilseigner ist der Trust von Piero Ferrari, dem Sohn des Firmengründers, mit rund 10,6 Prozent der Aktien und 16,1 Prozent der Stimmrechte.
- Der Rest der Aktien befindet sich im freien Streubesitz an der Börse, verfügt dort aber über unterproportional weniger Stimmrechte.
- Ferrari trennte sich 2015 von Fiat Chrysler Automobiles (heute Stellantis) und ging eigenständig an die Börse.
- Die Aktie notiert sowohl an der New York Stock Exchange als auch an der Mailänder Börse (Euronext Milan, früher Borsa Italiana).
Vom Fiat-Sportwagenlabel zum eigenständigen Börsenkonzern
Enzo Ferrari gründete das Unternehmen 1939, ab 1969 hielt Fiat schrittweise Mehrheitsanteile am Sportwagenhersteller, zuletzt rund 90 Prozent. Als sich der Mutterkonzern Fiat Chrysler Automobiles (FCA) 2014/2015 finanziell neu aufstellte, entschied das Management, Ferrari als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen.
Am 21. Oktober 2015 debütierte die Ferrari-Aktie an der New York Stock Exchange, kurz darauf folgte das Listing in Mailand. FCA gab seine verbliebenen Anteile im Rahmen einer Abspaltung an die eigenen Aktionäre ab, sodass die Agnelli-Familienholding Exor als größter Einzelaktionär übrig blieb.
Warum Exor trotz Minderheitsanteil die Kontrolle behält
Ferrari N.V. hat als niederländische Holdinggesellschaft ein Treueprämien-Stimmrecht (Loyalty Voting Structure) eingeführt: Wer Aktien über einen längeren Zeitraum hält, erhält zusätzliche Sonderstimmrechte. Weil Exor und der Piero-Ferrari-Trust ihre Anteile seit dem Börsengang 2015 durchgehend halten, verfügen beide gemeinsam über rund 48,3 Prozent der Stimmrechte, obwohl sie zusammen nur knapp 31,8 Prozent der Aktien besitzen.
Der übrige Streubesitz hält dagegen 68,2 Prozent der Aktien, aber nur rund 51,7 Prozent der Stimmrechte. Wer Ferrari-Aktien kauft, erwirbt damit zwar eine wirtschaftliche Beteiligung am Unternehmenserfolg, aber unterproportional wenig direkten Einfluss auf strategische Entscheidungen, die weiterhin maßgeblich von der Gründerfamilie und der Agnelli-Holding geprägt werden.
Die wichtigsten Aktionäre von Ferrari
| Aktionär | Anteil an Aktien | Anteil an Stimmrechten |
|---|---|---|
| Exor N.V. (Agnelli-Familie) | 21,2 % | 32,2 % |
| Trust Piero Ferrari | 10,6 % | 16,1 % |
| Streubesitz (institutionelle und private Anleger) | 68,2 % | 51,7 % |
Was gehört noch zum Exor-Konzern?
Die Holding Exor der Agnelli-Familie hält neben Ferrari auch bedeutende Anteile an Stellantis (dem Mutterkonzern von Fiat, Peugeot, Opel, Jeep und weiteren Marken), am Fußballclub Juventus Turin sowie an Unternehmen aus Landtechnik (CNH Industrial), Medien und Versicherungswesen. Ferrari selbst ist damit zwar eigenständig, bleibt aber über Exor eng mit der übrigen Agnelli-Unternehmensfamilie verbunden.
Innerhalb von Ferrari existiert kein Beteiligungsgeflecht an anderen Automarken – das Unternehmen konzentriert sich ausschließlich auf Sportwagen, Rennsport (Scuderia Ferrari in der Formel 1) und Lifestyle-Produkte unter eigenem Markennamen.
Häufig gestellte Fragen
Gehört Ferrari noch zu Fiat?
Nein, seit 2015 nicht mehr. Ferrari wurde von Fiat Chrysler Automobiles abgespalten und ist seither ein eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen.
Wer ist der größte Einzelaktionär von Ferrari?
Die Investmentholding Exor N.V. der Agnelli-Familie mit rund 21,2 Prozent der Aktien und, dank Treueprämien-Stimmrecht, rund 32,2 Prozent der Stimmrechte.
Hat Piero Ferrari noch Einfluss auf das Unternehmen?
Ja, sein Trust ist mit rund 10,6 Prozent der Aktien und 16,1 Prozent der Stimmrechte zweitgrößter Aktionär; Piero Ferrari ist zudem Vizepräsident des Unternehmens, das sein Vater Enzo Ferrari gegründet hat.
An welchen Börsen ist Ferrari notiert?
An der New York Stock Exchange (NYSE) und an der Mailänder Börse Euronext Milan.
Besteht eine Verbindung zwischen Ferrari und Juventus Turin?
Eine direkte Kapitalverbindung gibt es nicht, aber beide Unternehmen gehören zum erweiterten Beteiligungsnetzwerk der Agnelli-Familie über die Holding Exor.
Wie stark ein Markenname über die tatsächliche Eigentümerstruktur hinwegtäuschen kann, zeigt sich auch bei Rolls-Royce, wo zwei unabhängige Unternehmen denselben Namen tragen, oder bei Bugatti, das heute in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Rimac firmiert. Aktuelle Aktionärsdaten veröffentlicht Ferrari selbst im Investor-Relations-Bereich seiner Unternehmenswebsite.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar